Helmut Creutz Grafik Nr. 57  – Vermögensverteilung Deutschland 1993

Kurzbeschreibung zu Darstellung Nr. 057:

Über die Bestandsgrößen der privaten wie auch der gesamten Vermögen gibt es verschiedene z.T. laufend fortgeschriebene Quellen. Das gilt z.B. für die `Ergebnisse der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung für Deutschland´, in denen die Geldvermögen und Verpflichtungen von der Bundesbank jährlich veröffentlicht werden. Über die Verteilung der Vermögenswerte auf die einzelnen Haushalte, gibt es dagegen nur wenige Untersuchungen. Bei diesen stützt man sich außerdem vorwiegend auf die etwas fragwürdigen Ergebnisse der Einkommens- und Verbrauchsstichproben, die alle fünf Jahre durchgeführt werden.
Aufgrund dieser und anderer Unterlagen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin die in der Darstellung aufgelisteten Grunddaten auf der Basis von 1993 ermittelt und 1996 veröffentlicht. Im Zuge dieser Veröffentlichungen wurden die auf sieben Gruppen verteilten Vermögen verschiedentlich auch grafisch wiedergegeben, z.B. in Form von Balken oder Kreissegmenten.

Um über die Gruppenanteile hinaus die Vermögensverteilungen bei den einzelnen Haushalten sichtbar zu machen, habe ich in meiner Darstellung die Haushaltsanteile der Gruppen in der Breite und die jeweiligen Vermögensspannen in der Höhe eingetragen. Mit dieser Art der Darstellung werden gleichzeitig die Gruppengrößen wie die enormen und letztlich entscheidenden Unterschiede der Vermögenshöhen optisch verdeutlicht. Vor allem wird erkennbar, in welchem Maße sich diese Vermögen bei einer Minderheit der Haushalte konzentrieren, auch wenn die Vermögen über 5 Millionen DM weit über die Grafik hinausschießen.
Geht man von den errechenbaren Durchschnittsvermögen in den Gruppen aus, dann ergibt sich für die siebte nach oben offene Vermögensgruppe G ein Anteil von 28,3 Prozent. Das heißt, diese Gruppe, die nur drei Prozent der Haushalte umfasst, verfügt über mehr als ein Viertel der Gesamtvermögen. Nimmt man die Gruppe F hinzu, dann ver-fügt ein knappes Zehntel der Haushalte über fast die Hälfte der Vermögenswerte von 9.920 Mrd DM! Dagegen entfallen auf die beiden ersten Haushaltsgruppen, die zusammen 47 Prozent der Haushalte ausmachen, lediglich 9 Prozent der Gesamtvermögen.

Beurteilt man neben den Vermögenswerten die Vermögenseinkünfte, dann ist die Verteilung noch extremer. Denn einmal resultiert das Gros der Vermögen bei den ärmeren Haushalten aus selbstgenutzten Immobilienvermögen, die keine Erträge abwerfen. Zum anderen konzentrieren sich die besonders lukrativen Betriebsvermögen fast ausschließlich bei den wohlhabendsten beiden Haushaltsgruppen. Und auf Grund dieser bereits gegebenen Verteilungsdifferenzen sowie der Wirkungen der Zinseszinseffekte, müssen sich die gegebenen Verteilungsdiskrepanzen mit zunehmender Beschleunigung weiter vergrößern. Damit aber gerät der soziale Frieden in unserer Gesellschaft immer mehr in Gefahr. Ebenfalls werden alle Versuche unterlaufen, unser Wirtschaften auf Nachhaltigkeit umzustellen, da unter den gegebenen Bedingungen nur durch Wirtschaftswachstum die Zunahme der sozialen Spannungen etwas gemildert werden kann. Helmut Creutz

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