Erläuterungen zur Darstellung Nr. 077
Die Darstellung gibt die Zusammenhänge zwischen den Veränderungen der Zinssätze und der Arbeitslosigkeit wieder. Für die Zinssätze stehen die unten eingetragenen Verzinsungen des Bankgeschäftsvolumens, die sich aus dem Durchschnitt aller Kredite ergeben. Die daraus resultierenden Bankzinserträge sind im oberen Grafikteil in ihren absoluten Größen in Milliarden DM wiedergegeben und ein weiteres Mal, umgerechnet in Prozenten des BIP, als Zinslastquote. Dabei resultiert der langfristige Anstieg beider Kurven aus der Zunahme der Geldvermögen und Kredite.
Während bei den absoluten Größen in Millarden DM, auf Grund der sich überlappenden Kreditlaufzeiten die Zinssatzschwankungen abgeschwächt werden, werden sie in der Zinslastquote verstärkt. Ursache für diese verstärkten Ausschläge ist der Tatbestand, dass die steigenden Zinslasten jeweils nachlassende Wachstumsraten in der Wirtschaft zur Folge haben, den sinkenden Zinslasten dagegen wieder Konjunkturbelebungen gegenüber stehen.
Die enge Beziehung zwischen den Ausschlägen der Zinslastquote und jener der Arbeitslosigkeit ist unübersehbar. Das gilt vor allem für den Abbruch der Arbeitslosigkeits-Anstiege jeweils ein Jahr nach jedem Gipfel der Zinslastquote.
Dass in den 90er Jahren, trotz Absinken der Zinssätze auf einen historischen Tiefstand, die Zinslastquote 1995 bereits wieder nach einem Jahr nach oben ging, hängt sowohl mit dem tendenziell nachlassendem Wirtschaftswachstum als auch der verstärkt eskalierenden Verschuldungen und Zinszahlungen zusammen. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit kann unter diesen Bedingungen nur noch über Reduzierungen der Löhne eingeleitet werden, wobei allerdings die Frage bleibt, wer dann noch die Produktion aufkaufen soll.
Ursache dieses Dilemmas ist die verstärkte Auseinanderentwicklung der Lohn- und Kapitaleinkommen bei einem Wirtschaftswachstum, das hinter der Entwicklung der Geldvermögen/Schulden immer mehr zurück bleibt.
Helmut Creutz