Helmut Creutz Grafik Nr. 117  – Entwicklung diverser Wirtschaftsindikatoren

Erläuterung zur Darstellung Nr. 117

Wenn in einer Volkswirtschaft das Sozialprodukt in vier Jahren um 11 Prozent wächst, dann können entsprechend auch alle Größen und alle Ansprüche im gleichen Umfang zunehmen, ohne dass es zu irgendwelchen Problemen kommt. Nehmen aber einzelne Größen rascher zu als die gesamte Wirtschaft, dann sind Umverteilungen und daraus resultierende Spannungen und Komplikationen unvermeidlich. In welchem Umfang das heute bereits der Fall sein muss, geht aus den auseinander laufenden Entwicklungen in der Darstellung hervor. Das gilt vor allem für die überschießenden Zunahmen der monetären Bestands- und Zinsstromgrößen, die von 1996 bis 2000 drei- bis fünfmal so rasch zugenommen haben wie die Schlüsselgröße Sozialprodukt. Dass diesem Überwachstum an anderen Stellen zwangsläufig geringere Zuwachsraten gegenüberstehen müssen, liegt auf der Hand. So erklärt sich auch, warum trotz überproportional gestiegener Steuereinnehmen (die zunehmend in den Zinsendienst fließen!), die Ausgaben für Sozialleistungen ebenso zurückgeblieben sind wie die Nettolöhne. Dabei ist noch zu beachten, dass die förmlich explodierten Zinsstromgrößen weitgehend erst beim Ausgeben dieser zurück gebliebenen Nettolöhne mit bezahlt werden müssen. Selbst die so viel beklagten Ausgaben für die Krankenversicherung blieben mit 4% Wachstum und einer Zunahme von 10 Mrd DM weit hinter den sonstigen Entwicklungen zurück. Denkt man an die vielen Schlagzeilen um diesen Ausgabenposten, dann ist es kaum verständlich, dass die um 40 bzw. 52% förmlich explodierten Zinserträge bzw. Zinsaufwendungen der Banken, die um 195 bzw. 206 Mrd DM zunahmen, keiner Meldung wert waren. Das gilt auch für den Tatbestand, dass die in der Grafik hervorgehobenen Bankzinserträge, die in etwa mit der Schuldenzinsbelastung unserer Wirtschaft gleichzusetzen sind, inzwischen mit 724 Mrd DM zu Buche schlagen. Wie sich aus den Zahlen in der Tabelle errechnen lässt, haben diese Bankzinserträge mit ihren 724 Mrd DM bereits eine Größe erreicht, die 74% der gesamten Steuereinnahmen oder 66% der Netto-Lohngrößen entspricht. Und da dieses Überwachstum der Geldvermögen und Schulden unter den heutigen Gegebenheiten unverändert weiter geht, selbst in Jahren ohne Wirtschaftswachstum und bei Leistungsrückgängen, ergibt sich die Frage, wie lange unser Wirtschafts- und Sozialsystem diese Scherenentwicklung noch aushalten kann. Helmut Creutz

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